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Anmerkungen:

"Im Dezember 1879 bearbeitete Hillebrand den Wettbewerb für den Neubau der evangelischen Pauluskirche in Bielefeld. Den Entwurf überließ er wohl weitgehend seinem Mitarbeiter Adolf Narten. Kurz vor Abgabetermin am 1. Januar 1880 wurde fieberhaft bis in die Nächte gearbeitet, auch an den weihnachtlichen Feiertagen. Zuletzt zog Hillebrand noch den Architekten Otto Knoch hinzu, der nach den von Narten hergestellten Grund- und Aufrissen eine perspektivische Ansicht zeichnete. In der Silvesternacht fuhr Adolf Narten mit der Eisenbahn nach Bielefeld und lieferte am Neujahrsmorgen den Entwurf beim Pastor ab. Die Gelegenheit, den Pastor für das Hillebrandsche Projekt einzunehmen und damit die Wettbewerbsentscheidung zu beeinflussen, nutzte Narten bedenkenlos aus.
Als dann im Januar 1880 die Jury unter dem Vorsitz von Conrad Wilhelm Hase tagte, war offensichtlich das Eintreten des Pastors für diesen Entwurf ausschlaggebend. Obwohl sich unter den 72 eingereichten Entwürfen viele fortschrittliche Konzepte von namhaften Architekten wie Christoph Hehl, Johannes Otzen und Paul Wallot befanden, erhielt der damals noch unbekannte Architekt Hillebrand den ersten Preis für einen eher konservativen Entwurf. Seine Einflußnahme betonend, berichtete Adolf Narten: »Hillebrand hätte keinen Erfolg gehabt
Im Februar 1880 fand in Bielefeld eine Ausstellung der Wettbewerbsprojekte statt, die anschließend im März in der Deutschen Bauzeitung besprochen wurde. Der Rezensent Hubert Stier lobte andere Entwürfe mehr als den des ersten Preisträgers. Seine Verwunderung über die Wettbewerbsentscheidung ist zu spüren. Zum Hillebrandschen Entwurf bemerkte er: »Die Architektur des preisgekrönten Entwurfes bewegt sich in einfachen frühgothischen Formen von guten Verhältnissen, für manche gar zu einfach gehaltene Anordnung, wie die Lösung der Thurmspitze, findet sich bei der Ausführung wohl noch ein glücklicheres Motiv. Die Darstellung des Entwurfes war schmucklos und ließ für einen ersten Preis zu wünschen übrig —.« Dieser unlauter erworbene Wettbewerbserfolg bedeutete für Hillebrand den Einstieg in die Laufbahn eines norddeutschen Kirchenbauers."

zitiert aus:
Quellen zur Architektur der Hannoverschen und Kasseler Schule im 19. Jahrhundert.
Retrospektive - vier Architekten berichten: Eberhard Hillebrand (1840–1924) ⋅ Adelbert Hotzen (1830–1922) ⋅ Adolf Narten (1842–1928) ⋅ Paul Rowald (1850–1920)
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herausgegeben von Günther Kokkelink, Monika Lemke-Kokkelink, Hans-Jürgen Narten. Hannover 199X [Manuskript, unveröffentlicht]

Literatur:

Fachzeitschriften:

Quellen:

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